Technologie

LILIUM VS VOLOCOPTER

Wer wird sich erfolgreicher in die Lüfte der Zukunft schwingen?

27.07.2020

Berlin

Auch wenn die kommerziellen Flüge noch ausstehen, sind die beiden Kontrahenten bereits jetzt Giganten der Lüfte. Jahrelange Forschung und Entwicklung auf beiden Seiten haben unterschiedliche Ansätze ergeben. Während Lilium Flüge unter 20 km als wenig sinnvoll erachtet, konzentriert sich Volocopter völlig auf das Konzept von innerstädtischen Flugtaxis.

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Volocopter und Lilium verfolgen beide das konzept der Urban Air Mobility – mit unterschiedlichen Ergebnissen zu den Fluggeräten und der Reise selbst // links: Volocopter © 2017 The Foreign Office Collective, rechts: Lilium Jet © lilium.com

Das signifikante Bevölkerungswachstum in den Metropolen wird voraussichtlich einen echten Bedarf an innovativen Mobilitätsoptionen schaffen, die einer Überlastung der Bodeninfrastruktur entgegenwirken sollen. Wir wissen heute, dass die Nutzung des Luftraumes über den Städten für eine Mobilität der Zukunft entscheidend wird. Was wir nicht wissen ist, ob diese Luftraummobilität eine inner- oder interstädtische wird. Zwei Unternehmen, Volocopter und Lilium, haben sich als Innovationsführer im Bereich der neuen Urban Air Mobility etabliert, und stellen unterschiedliche Ansätze vor.

Air Taxis oder City Shuttles?


Lilium: Flüge unter 20 km machen keinen Sinn


Während sich Volocopter, auch mit seinen neuesten Testflügen in Singapur und Stuttgart, dem städtischen Luftraum verschrieben hat, hat sich der vollelektrische Lilium Jet gänzlich auf interstädtische Verbindungen fokusiert.


Entgegen der Vorstellung von Lufttaxis, glaubt Lilium, dass es in unserem Netz nur eine Handvoll Strecken geben wird, die kürzer als 20 km sind. Stattdessen arbeiten sie an Reichweiten von bis zu 300 km um ganze Regionen mit Hochgeschwindigkeitstransporten zu verbinden.


Da für einen Flugmobilitätsdienst keine teure landgestützte Infrastruktur wie Straßen- oder Schienennetz erforderlich ist, könnten Städte und Gemeinden auf diese Art schneller miteinander verbunden werden. Lilium argumentiert, dass ein System mit nur 20 Landeplätzen rund 200 potenzielle Routen und 10.000 km Hochgeschwindigkeitsverbindung schaffen wurden (unter der Annahme einer Entfernung von mindestens 50 km zwischen den Standorten). Das wäre immerhin das Dreifache des gesamten französischen TGV-Schienennetzes.


Für das Netzwerk der Landeplätze kann sich Lilium eine Anpassung der vorhandenen Infrastruktur wie Flughäfen, Flughäfen, Hubschrauberlandeplätze oder sogar Parkhausdächer vorstellen. Flüge unter 20 km schließen sie kategorisch aus mit der Begründung, komplexe Steuerungen der Überquerung der Städte in alle Richtungen zu vermeiden und die Auswirkungen auf Gemeinden zu minimieren.


Alles Quatsch – sagt Volocopter und verfolgt genau die entgegengesetzte Strategie


Nach mehr als zehn Jahren Forschung, tausenden von Testflügen und Millioneninvestitionen wäre eine andere Antwort auch sehr verwunderlich. So verfolgt Volocopter weiterhin die Mission, mit VoloCity „die sichersten Lufttaxis der Welt“ zu entwickeln. Und dabei sind sie nicht allein. Immerhin sind die Fraport AG, der Betreiber des Frankfurter Flughafens, und die Deutsche Flugsicherung (DFS) als vielversprechende Partner dabei.


Volocopter verfolgt zudem einen anderen Ansatz wenn es um Kundenerfahrung geht und setzt auf ein ganzheitliches Prinzip, bei dem sie jeden Teil der Reise minutiös planen. Volocopter will nicht nur neue Fluggeräte schaffen sondern sich stark in die urbanen Ökosystemen selbst verwurzeln. Start- und Landeplätze sollen in die Stadtlandschaft integriert werden, der Zugang zu den VoloPorts und die Reise selbst mit Apps geplant werden können. Das ist bei der Komplexität einer dreidimensionalen Mobilität innerhalb der Stadt, und dem Anspruch der urbanen Nutzer auch nicht anders zu lösen. VoloPorts müssen die neuen, einfacheren U-Bahn-Stationen der Lüfte werden.


Welcher der beiden Wettbewerber wird also die Luftmobilität der Zukunft erfolgreicher beanspruchen können? Es ist schwer zu sagen, da die beiden Unternehmen zwei unterschiedliche Prinzipien verfolgen. Während Lilium sich auf die Verbesserung der zwischenstädtischen Verbindungen konzentriert, versucht sich Volocopter tatsächlich mit dem wachsenden Problem der Überlastung innerstädtischer Infrastrukturen zu beschäftigen. Lilium setzt auf den Bedarf schnellere Verbindungen zwischen Städten zu schaffen – was sicherlich eine Zukunftsfähigkeit hinsichtlich der Bedarfe der Megalopolen der Zukunft hat – löst aber nicht das Problem überladener Straßen- und Grundinfrastruktur, was auf jeden Fall auf uns zukommt. Ob das System von Volocopter, mit VoloCity Flugtaxen und dazugehörigen VoloPorts das Problem zu lösen, die richtige Herangehensweise ist, bleibt abzuwarten. Ihre futuristisch anmutenden Landeplätze, die VoloPorts, werden unseren langgehegten Träumen einer phantastischen Stadt der Zukunft sicherlich gerecht. 2022 soll es soweit sein, denn dann will man bei Volocopter mit kommerziellen Taxiflügen innerhalb von Städten beginnen.

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